Segelfluggruppe Dittingen

BFK Samedan, Woche 2

 

Hier der zweite Teil des Berichts von Retos BFK Erlebnissen - vielen Dank für die ausführliche Berichterstattung!


  1. Tag (Sonntag)

Erstmals gab es leichten Nordwind. Daher wurde beschlossen von der Piste 03 zu starten. Somit war ein grosser Umzug mit einem Konvoi von rund einem Dutzend Flieger an das andere Pistenende angesagt.

Der Einstieg in die Thermik war nun ungleich schwieriger im Vergleich zur «Malojawindlage». Viele Versuche am Crasta Mora und an der Nordflanke endeten in Absaufer. Das Gute am Startticketsystem von Samedan ist, dass bei einem Absaufer bzw. Flug von weniger als 20 Minuten mit dem gleichen Ticket nochmals gestartet werden konnte.

Nach rund einer Stunde kam der Malojawind doch noch, d.h. wieder Umzug an Runway 21. Heute war ich wieder zuerst an der Reihe mit dem Fluglehrer Basil Prinz. Da mein Teampartner Christoph heute aussetzen wollte, war dies auch der einzige Flug. Trotz eher verhaltener Thermik haben wir es doch auf über 3000m geschafft. Nach der obligaten Runde über die Gletscherwelt des Berninamassiv (einfach geil!), nutzten wir für das Abgleiten einen Ausflug nach Maloja. Schön zu sehen, wie der Pass auf der italienischen Seite von 1’800m bis auf 800m runtergeht, was ja schlussendlich die Entstehung des Malojawinds begründet.

  1. Tag (Montag)

Wie eine Insel ragt das Engadin aus dem schwach-, mässig- und kaum-Meer heraus! Die Vorfreude war gross, weil es heute ja so richtig abgehen muss.

toptherm

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Wieder meldet sich der Malojawind pünktlich zwischen 13:00 und 13:30 Uhr. Nachdem die ersten paar Gestarteten ziemlich schnell wieder am Boden waren: Lange Gesichter. Weder am Muottas Muragl noch am Crasta Mora war es möglich hochzukommen. Nachdem der Wind etwas stärker wurde, war es möglich am Muottas zu steigen. Wie verhext war das nur bis rund 2’300m. Das hat zu massivem und nicht ungefährlichem Verkehr am Hang mit bis zu 6 Flieger auf +/- 100m Höhe geführt.

 

glidertracker

Wieder mal zum Glück war ich erst nach Christoph dran. Um 17 Uhr gestartet, kam ich zuerst am Muottas und danach am Schafsberg gut hoch. Danach haben wir vor dem Berg einen Schlauch entdeckt, der uns zügig über 3’000m gebracht hat. Weiter hinten im Bernina-Tal haben wir uns an zwei schon kreisenden Flieger angehängt. Das haben jedoch auch die Anderen gesehen. Zeitweise mussten wir zu Viert auf gleicher Höhe kreisen mit weiteren Fliegern über und unter uns. Nicht lustig!

9. Tag (Dienstag)

Heute war unser Team als Startleiter eingeteilt. Neu war für mich die Abstimmung zwischen Windenfahrer und Tower. Nach einer Einweisung durch das Personal des Flugplatzes war ich zuerst mit einem ersten Flug dran.

Weil der Malojawind auch nach 13:30 Uhr nur ein laues Lüftchen war, war Absaufen angesagt. Christine Levy, ein Local und unsere heutige Fluglehrerin besprachen uns darüber, ob wir wie die Anderen zuwarten oder es auch versuchen sollten. Wir entschieden uns für einen Start in Richtung Samedan und Crasta Mora. Diesmal wieder auf einer Duo Disc haben wir es auf der Winde immerhin auf 2'100m geschafft und tatsächlich konnten wir uns über Samedan Meter für Meter hocharbeiten. Danach ein unglaublicher Schlauch, welcher uns 1’500m Höhengewinn geschenkt hat. Offensichtlich haben es in den nächsten zwei Stunden nur noch 3 bis 4 Flieger geschafft hoch zu kommen. Das Glück war schon wieder auf meiner Seite! Somit war auch wenig Verkehr und trotz diesiger Sicht schönes Fliegen möglich. Nach einer telefonischen Absprache mit Christoph entschieden wir uns für einen längeren Flug, da auch um 17 Uhr ein Hochkommen schwierig war. Auf rund 4’100m peilten wir das Berninamassiv an. Wir waren genug hoch um den Piz Palü und danach auch den Piz Bernina zu überfliegen. Ein unglaubliches Erlebnis! Weil es so schön war sind mir mehrere Male über die ganze Bergkette, inkl. Piz Roseg hin und her geflogen.

Weil mittlerweile auf die Startrichtung Runway 03 gewechselt wurde, durfte ich erstmals eine Landung in diese Richtung durchführen. Bei rund 25km/h Gegen- und Seitenwind, Turbulenzen auf Hangarhöhe und Müdigkeit nach über vier Stunden Flug hat mich die Landung gefordert.

10. Tag (Mittwoch)

In der Theorie hat uns Andi Duppenthaler Wissen über Vorfälle, schwere Vorfälle und Unfälle vermittelt. Im Zusammenhang mit einem Beinahe-Crash am BFK 2014 gab es eine längere Diskussion über mangelhafte FLAM. Aus diesem Vorfall hat die SUSO dem BAZL empfohlen eine geeignete Lösung zur Messung der Sende- und Empfangsleistung zu entwickeln. Leider ist bis heute nichts passiert. Unsere Teilnehmerin Isabelle Pecoraio, welche seitens BAZL für den Segelflug zuständig ist, hat sich dann auch eifrig Notizen gemacht. Der Teilnehmer Markus Müller, welcher sich beruflich mit Funknetzen befasst, hat in seiner Gruppe die Sendeleistung der FLAM gemessen. Er hat festgestellt, dass bei neuen Power FLAM die Sendeleistung bis zu 20dB zu tief ist. Das ist eine 10-fach zu tiefe Leistung! Meistens wird ja die Position der Antenne als Mangel angenommen. Markus bietet anderen Gruppen an, dass er mit seinem Equipment die Sendeleistungen vermisst. Ich werde diesbezüglich den Kontakt zur SGD vermitteln. Leider ist es (noch) nicht möglich die Empfangsleistung zu vermessen, weil seitens der Fa. FLAM dazu weiteren Informationen notwendig wären.

Wiederum erwartet uns ein prächtiger Tag mit für das Engadin ungewöhnlich hohen 30°C. Auch die Thermik-Prognose sah für Dittinger-Verhältnisse irrwitzig aus mit Steigwerten zwischen 3 bis 4 m/s und einer Basis bis 5’200m.

Heute wehte von Beginn weg Nordwind, d.h. Start ab der Piste 03. Wie gestern war es schwierig die ersten 500m Höhe zu überwinden. Nach einigen Absaufern war dann die ganze Truppe bis 15 Uhr in der Luft. Als ich dann an der Reihe war, ist es uns dann auch passiert. Dumm war nur, dass sich über Funk ein Jet zur Landung gemeldet hat mit «Position after Maloja». Deshalb hat Christine das Steuer übernommen und wir konnten noch 2 Min. vor dem Jet landen bzw. von der Piste rollen. Es war schon nach Fünf Uhr und der Windenfahrer wollte Feierabend machen. Er hat sich aber unser erbarmt und wir bekamen noch ein letztes Startseil. Nach hängen und würgen hat es dann doch geklappt und ich konnte wiederum einen Flug auf über 4’000m geniessen.

Am Abend konnte ich mich auf dem benachbarten Campingplatz mit Christoph zum deutschen Pärchen gesellen. Als geborener Schwabe hat Klaus als Grillbeilage astreine Käsespätzle gekocht.

11. Tag (Donnerstag)

Im Rahmen des Briefings hat Isabelle Pecoraio kurz über die aktuell gültigen Vorschriften und Gesetze informiert. Seit März ist das von der EASA herausgegebene «Sales plane rule book» gültig ( https://www.easa.europa.eu/document-library/general-publications/sailplane-rule-book-–-easy-access-rules ). Ein Teilnehmer hat dazu bemerkt, dass das Buch nur auf Englisch verfügbar ist. Nach Schweizer Recht muss jedoch ein Gesetzt in den Landessprachen verfügbar sein. Leider konnte Isabelle keine Auskunft geben, ab wann das Buch u.a. auf Deutsch verfügbar ist.

Weil Christoph mit seiner ASW-20 fliegen wollte, durfte ich heute zwei Flüge absolvieren. Beim ersten Flug war ich einer der beiden PIC’s, welche als Test auf LSZS einen F-Schlepp pilotieren konnte, was es seit 13 Jahren nicht mehr gegeben hat! Die Kursleitung hat alle Verantwortlichen davon überzeugen können und haben ihr OK gegeben. Der Schlepper wurde aus Meiringen eingeflogen.

Wiederum bei sehr guten Bedingungen, aber fast nur Blauthermik war ab 2’200m ein problemloses Steigen auf 4’500m möglich. Einzig neu waren Landungen mit relativ starkem Crosswind, was ich ja schon von Dittingen kannte.

Cockpit ueger Bernina klein

F Schlepp LSZS klein

Kuller klein

Roseg Gletscher klein

Startbereite Flieger klein

Ueber Piz Bernina klein